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Reinhard Körner

Gott. 95 Thesen

  Körner, 95 Thesen(Bild)

St. Benno Verlag
2017, o.p., Hardcover 7,95 €
isbn 9783746248752
Bücher des Karmeliter-Paters Reinhard Körner verdienen immer Aufmerksamkeit.
Seine 95 Thesen, angelehnt an die Luthersche Glaubensherausforderung vor 500 Jahren, sind auch eine Herausforderung an alle, die ein sich mit Fragen zu Gott, Glaube und Kirche beschäftigen.
Systematisch baut Körner in seinen kurzen Thesen die Weltsicht und das Gottesbild der Kirche auf. Die Wirklichkeit und unser Staunen über sie führen zur Frage nach SINN und dem Urgund allen Seins (11. These). Der jüdische Schöpfergott (These 16), der uns Glaube als höchsten Akt der Erkenntnis ermöglchicht, wird letztlich begriffen im Sinne negativer Theologie: Einen Gott, den ‚es gibt‘, gibt es nicht (These 22). Von diesem ‚dieu caché‘, wie Pascal sagt, gehen die weiteren Überlegungen und Anstöße des Autors aus.
So werden wir ermahnt, Gott nicht mit Religionsgemeinschaft zu verwechseln (These 38) und der Zusammenfall von Gegenwart und Geschichte, Schöpfungsakt und ihre Ausbreitung führen hin zur Personhaftigkeit Gottes: Weil unsere Vorstellung ‚Gott‘ „vom Höchsten ausgehen muss, das die geschöpfliche Daseinswelt kennt“ – die PERSON (These 49).

In dieser Weise leitet uns Reinhard Körner subtil und überzeugend zu JESUS CHRISTUS und auf die Heillehre der Kirche. Dass die Thesen offen sind, sich als Einladung und auch Beförderung der Ökumene verstehen, gestattet auch Gläubigen anderer christilichen Konfessionen mit den 95 Thesen übereinzustimmen. Wie ja auch Katholiken heutzutage weitgehend mit den Lutherschen Thesen von 1517 übereinstimmen.
Dem Chor des Glaubens, der aktuellen Besinnung auf die Kernsätze und -erfahrungen des Christentums dient somit das Büchlein in guter Weise.
Körner schriebt in einfachen Sätzen und ohne theologischen Schwulst. Dies macht seine Thesen für alle eingänglich. Eine Empfehlung für alle Haushalte und Büchereien.
h.krebs, märz 2017

BESTELLUNG bitte über die St. Antonius Bücherei: buecherei-alstaden@gmx.de

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David Hornemann v. Laer

Vom Geschöpf zum Schöpfer –

Die Genesisfresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle

Beeindruckender Bildband aus intenisver Forschung

Johannes Mayer Verlag 2009, 208 Seiten, Hardcover 48,00€ isbn 978-3867830034
Nach den umfanreichen Restaurierungsarbeiten in der Sixtinischen Kapelle (1982-1994) erfreute sich Publikum und Fachwelt einer ungeahnten Farbenpracht und „Luminosität“ der Wände und Decken. Kein Wunder, dass sich im vorliegenden Band drucktechnisch einwandfreie Zeugnisse dieser Farbigkeit finden.

Von den neun zentralen Deckenfeldern der Capella Sixtina, die Michelangelo zwischen 1508 und 1512 malte, sind bekanntlich drei nach Motiven aus der Genesis gestaltet. Nach Wissen des Rezensenten hat der junge Kunstgeschichtler
Hornemann v. Laer (geb. 1971) mit seiner Arbeit erstmals ein derartig umfangreich bebilderte Einzelpublikaton zu diesem kleinen Genesis-Zyklus vorgelegt.

Neun beigelegte Bildtafeln ermuntern den Leser/Betrachter zum intensiven Schauen und eröffnen damit der Publikation einen Raum, der aus dem trockenen Gebiet der Wissenschaft hinausgreift auf die Ermöglichung lebendiger Erfahrung. Denn was der Autor vorlegt, ist keine rein fachwissenschaftliche Arbeit, sondern die Arbeit am Bild – Arbeit aus Betrachtung, Nachdenken und In-Beziehung-Stellen. Natürlich gibt es für solches Vorgehen profunde Vorbilder in der Kunstgeschichte.

Und natürlich schmälert es das Vorgehen von Hornemann v. Laer nicht im geringsten, wenn das Erzählen sich ausbreitet und ein wenig die Beschreibung verdeckt. Dass die Motive Michelangelos zunächst tatsächlich Erzählungen sind und ihrer Dramatik nicht entbehren, wird jeder Rom-Besucher bestätigen. Dass es hier um so Großartiges geht, wie die Welterschaffung, geht aber oft im Getümmel und Gewimmel von Gestalten und Erzählungen unter. Darum tut der Autor recht, wenn er diese Welterschaffung in der von Michelangelo aufgefassten Art, fußend auf biblische und Bildtraditionen, zum Zentrum macht und das Bildtechnische, das Formale darunter stellt.

Auch der Autor ist ein Schöpfer, wenn er erzählt. Das Buch reflektiert daher unausgesprochen stets seinen Titel als Formung und Geformtes des Geistes in der Kunst, als Widerspiel und Dialog von Schaffen und Schauen.

Im Anhang bietet der Band Auszüge aus Goethers „Italienischer Reise“ und Briefen Michelangelos, sowie eine Galerie von Spiegel-Titelblättern, die die berühmte Erschaffung Adams adaptieren. Doch die Rezeptionsgeschichte allein dieses Michelangelo-Motivs dürfte ein eigenes Buch füllen.

Dem Kunstfreund wie dem Freund einer sich selbstgewiss als schöpfendes Geschöpf verstehenden Existenz im Reich des Schönen, Wahren, Guten sei der umfangreiche Band mit den liebevoll gesuchten Bildern wärmstens empfohlen.

Helmut Krebs, Juli. 2013

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Jan Roß

Die Verteidigung des Menschen –

Warum Gott gebraucht wird

Rowohlt Berlin 2012,

220 Seiten, Hardcover

18,95 €

isbn 978-3871347221
ross.die-verteidigung-des-menschenBESTELLUNG bitte über die St. Antonius Bücherei:

buecherei-alstaden@gmx.de

Unsere Zeit ist gekennzeichnet von Dichotomie. Da herrscht einerseits
die Angst vor religiösem Fundamentalismus, vor Engstirnigkeit (Kopftuch,
Beschneidung) und Weltfremdheit (Kreationismus), die Befürchtung, sich mit einem festen und auf keine wissenschaftliche Weltsicht berufenden
Glauben vor der Moderne zu blamieren. Andererseits die Sehnsucht nach
transzendentalem Trost, Sehnsucht, doch wenigstens glauben zu können,
dass ein Glaube erlösen könne und Friede schaffe.

Die Ausgangsthese des Publizisten Roß ist dabei so zentral wie diskussionswürdig: „Wir leben nicht nur in einer Gesellschaft mit wachsender Religionsfeindschaft. Wir steuern auf eine Kultur des religiösen
Analphabetismus zu.“

In seinen elf Kapiteln legt Roß dar, warum „eine Welt ohne Wahrheitsansprüche und religiöse Leidenschaften der Triumph der Banalität wäre“. Das Buch verschafft der Religion jenseits aller konfessionellen und gar inter-religiösen Streitfragen und Dogmen einen Raum, der Bedingung für eine gelungene Humanität ist. Als „Inbegriff der Blamage-Möglichkeit“, wie Roß religiöses Denken provokativ nennt, gehören zum Glauben Toleranz (aus der Selbst-Distanzierung vom Rechthaben) und Gewissheit (setzend auf Gott jedes Risiko der Blamage offen hinnehmen können) zusammen.
Vor allem aber öffnet der Gottgläubige gegen die Banalität (des Bösen wie des Alltäglichen) ein Fenster zum Nächsten. Dass nicht alles so bleiben muss, dass es eine Erfahrung von Transzendenz gibt, dass Friede möglich ist und wir uns als humane Wesen begegnen können in all unserer Unterschiedlichkeit und innerem Zerwürfnis – das ist Anliegen des Glaubens.

Roß bemüht dabei die abendländische Tradition von Sophokles „Antigone“, Sokrates, Plato, Lukrez, Augustinus, Thomas Morus, Friedrich Schiller und Alexis de Tocqueville. Er behält Verständlichkeit und den provokanen Ton im gesamten Buch bei. Er ist kein Theologe. Er hat ein Anliegen. Die christlich fundierte Begründung für sein Gottesbild, sein Verständnis des Kreuzestodes Jesu etwa und das der Bibel, ist zwar nicht auszumachen. Jedoch beeindruckt er in der aus dem Humanismus gewonnenen Begründung von Gottesglaube: „Ein moralisches Bewusstsein, das sich von allem Unbedingten emanzipiert, wird nicht etwa eine aufgeklärte, vorurteilsfreie Ethik hervorbringen, sondern den kompletten Irrwitz. Oft
ist die Komplexität der moralischen Verhältnisse bloß eine Ausrede. Die
Feigheit, für etwas Großes und Schönes ein Risiko einzugehen. (..) Wer
liebt, macht sich verwundbar. Aber eine Menschheit, die nicht mehr Kind
sein will und keinesfalls Don Quijote, wird arm, eng und kalt.“

Eine liebende Menschheit aber wird den Anfechtungen und Gewalttaten der
Welt widerstehen. Denn nur „der Mensch ohne den Schutz des religiösen
Tabus, ohne Schutz seines Geheimnisses und seiner Heiligkeit, wird berechenbar für die Wissenschaft und kontrollierbar für die Macht.“

Mit der grundlegenden Rechtfertigung des Gottesglauben, die Roß schafft, kann die dezidiert christliche Botschaft nur übereinstimmen. Der Dialog über das „Große und Schöne“, das uns in die Hände Gottes führt, wird sich nach Lektüre des Buches anschließen.

Helmut Krebs, Jan. 2013

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Ein Paar Libellen,
ineinander verhakt,
schwirrte vorbei.

***

Anwesenheit von Gott.
Im Taunnel des Vogelgesangs
wird ein verschlossenes Tor geöffnet.

***

Eichen und der Mond
Licht und stumme Sternbilder.
Das kalte Meer.

 

Tomas Tranströmer
aus: Für Lebende und Tote (1982)
Übersetzung aus dem Schwedischen von  Hanns Grössel

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KOMMENTAR

Der 1932 in Stockholm geborene Lyriker Tranströmer erhielt letztes Jahr den Literatur-Nobelpreis.
Es ist gute Tradition des Nobelpreis-Kommitees auch Lyriker auszuzeichnen. Dabei stehen die etwa 500 Druckseiten seines Gesamtwerks (verteilt auf zwölf Gedichtbände) beinah schon dünn und unscheinbar in der unüberschaubaren Landschaft des literarischen Betriebs. In Deutschland ist Tranströmer daher auch nur wenigen wirklich bekannt. Seine Meisterschaft ist bereits an diesen wenigen Versen erkennbar.

Tlomas Tranströmer (Foto: Andrei Romanenko, quelle: wikipedia)

Die Haiku-Form, der sich Tranströmer in den ausgewählten Versen bedient, besteht in der japanischen Ursprungstradition aus 5 – 7 – 5 Lauteinheiten (vergleichbar den Silben). Unverzichtbarer Bestandteil von Haiku sind Konkretheit und der Bezug auf die Gegenwart.
Und da wären wir schon bei der „Anwesenheit von Gott.“ Fünf Sätze verteilt Tranströmer auf die drei Haikus. Der dritte, der an die Gegenwart Gottes anschließt, ist das im Abstand zu den lakonisch konreten Bildern der anderen Sätze poetischste und geheimnisvollste Bild. Ein Aktionsbild: es wird ein Tor geöffnet, eines, das verschlossen war und das sich im „Tunnel des Vogelgesangs“ befindet. Ich muss an Kafkas Eisenbahngleichnis denken, an den Tunnel, dessen fernes Licht wir kaum wahrnehmen. Hier aber ist es ein rein akustischer Tunnel, der Vogelgesang. Das Tor kein Fluchtpunkt, sondern bloß ein bislang verschlossener Zugang zum anderen Raum – zu dem Gottes? Zu dem der Torheit?
Öffnet sich das Tor vielleicht erst zur Wahrnehmbarkeit des Vogelgesangs? Ist der Gesang in Tunnel nicht zu hören? Befindet sich der Gesang vor oder hinter dem Tor, oder ist er sowohl hier wie dort?

Schon im ersten Haiku „schwirrt“ es von Libellen. Ein kaum vernehmbares Bewegen in der Luft, wie der Vogelgesang eine kaum vernehmbare Bewegung im Tönen ist. Das erste Haiku schildert einn Begattungsakt – im vorbeigehen. Das letzte Haiku sammelt drei konrete Bilder. Jedes schließt mit einem Punkt ab. Bilder wie aus der Romantik („Eichen und der Mond. / Licht und stumme Sternbilder“). Da wird es plötzlich still, kein Schwirren, kein vogelgesang. Und es wir – am Ende – kalt:  „Das kalte Meer.“ Den Sätzen fehlt nicht nur ein Prädikat (Verb), die Paarungen (Eichen und Mond, Licht und Sternbilder) werden beendet durch das einzige „kalte Meer“.  wir folgen einem  Blick, der zunächst Eichen und den darüber stehenden Mond wahrnimmt, dann sich gewahr wird des Lichts, das die Szene bescheint (das Mondlicht?) und der endet am Meer, dessen Kälte die ganze nächtliche Szene zu durchwirken scheint, das irgendwo hinter den Eichen und unter dem Mond und den Sternen liegt.

Die drei Haikus können gar als Folge des Tages gelesen werden: das morgendliche Liebesspiel der Libellen, der Zenit in der Anwesenheit Gottes und dem im Tunnel der Mittagszeit verschlossenen Vogelgesang, der Abend, an dem die Sternbilder heraufgeführt und das Meer kalt daliegt.

Helmut Krebs, Okt. 2012

 

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