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Archive for the ‘Buch-Tipp’ Category

 


Brüder Grimm, Ludwig Bechstein
Oskar Herrfurth (Illustrationen)

Foto: Verlag

Der MÄRCHEN-KALENDER 2018
zusammen mit
„Ich wollt‘, ich wär‘ dabei gewesen…“
Das große Märchen-Bilderbuch

St. Benno Verlag 2017
Spiralkalender u. Hardcover-Buch zus. 19,95 €
isbn 9783746247090
Märchen, diese überzeitlichen Schätze der Volkskultur, erfreuen nicht nur Kinder.

Wer sich das neue Jahr zum Märchenjahr gestalten möchte, findet in dem in Nostalgieton gehaltenen Kalender mit Buch des St. Benno Verlags ein passendes Geschenk.
Für jeden Monat gibt es als großormatigen Wandschmuck im Kalenderblatt ein Märchenbild vom 1934 gestorbenen Illustrator Oskar Herrfurth. Den Älteren werden seine Bilder noch aus Märchen- oder Lesebüchern der Kindheit bekannt sein. Jüngeren eröffnen sie den romantisch, stimmungsvoll kolorierten Blick in die Märchenwelt der vorletzten Jahrhundertwende.

Das begleitende Buch präsentiert die Texte der Märchen, ebenfalls mit Illustrationen Herrfurths. Es eignet sich somit gut vom Vorlesen, während das Kind auf dem Kalenderblatt immer neue Details der Darstellung entdecken mag.

Es mag eine kluge Entscheidung des Verlags sein, manche Märchen auf jeweils zwei oder drei Monate zu verteilen, da deren Texte oft die Länge einer kleinen Vorleseeinheit überschreiten und so auch jedes Märchen sich auf den Kalenderblättern mit zwei geschilderten Situationen präsentiert. Zu den Märchen zählen die weithin bekannten vom Froschkönig oder dem Wolf mit den sieben Geißlein (Brüder Grimm), aber auch das weniger bekannte von Siebenschön (Bechstein). Dass die Texte der Verständlichkeit und Lesbarkeit zuliebe in leichter Bearbeitung gebracht werden, ermöglicht auch die enge Verschränkung von Volksmärchen (Brüder Grimm) mit den Kunstmärchen Ludwig Bechsteins.

Märchenbilder und Märchentexte machen jedermann Freude, der sein kindliches Herz bewahrt hat und mit dieser Freude durch das neue Jahr gehen möchte.

 

Helmut Krebs, Oktober 2017

BESTELLUNG bitte über die St. Antonius Bücherei:

buecherei-alstaden@gmx.de

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Erzbischof HEINER KOCH

Foto: Verlag

Keiner glaubt allein.
Ermutigungen für Familien

St. Benno Verlag 2017
64 Seiten, Hardcover 5.- €
isbn 9783746245652
KEINER GLAUBT ALLEIN  – gerade im Jubiläumsjahr der lutherischen Reformation, gerade in unserer Zeit der Vereinzelung und des Egoismus, der Ich-zentrierten Spiritualität und zugleich des Massensterbens und -elends ist der Satz Heiner Kochs ein wesentliches Bekenntnis zu einem auf Gemeinschaft gründenden Glauben.

Woher aber für den Menschen Gemeinschaft kommt, und worin sie letztlich einmündet, das ist die Familie. In einer Gesellschaft, die mit neuem Eherecht, mit Liberalisierung aller Lebensverhältnisse für vielen eine große Unsicherheit und für andere zugleich eine große Chance eröffnet, kann die Orientierung auf eine glaubenswerte Gemeinschaft, auf eine Gemeinschaft die Glauben ermöglicht und befördert, nur aus der Besinnung auf die Werte dieses Glaubens kommen.

Der aus Düsseldorf stammende Erzbischof von Berlin, Heiner Koch (geb. 1954) gilt in ethischen Fragen als konservativ. Nun sind aber prinzipiell alle Werte, religiös oder weltlich, konservativ in dem Sinne, dass ihre Aufgabe ist, Bindung und Orientierung zu sichern für kommende Generationen.
Darum auch steht Familie im traditionellen, im christlichen Sinn als Zeugungs-, Schutz- und Geleitort der nächsten Generation im Mittelpunkt, wenn es um die Gemeinschaft geht, in der Glauben möglich ist.

Mit der Familie sich im Glauben zu finden, auf die Werte der Familie zu besinnen, ist für Christen leider nicht mehr selbstverständlich. Der Ermutigung, die Heiner Koch ausspricht, bedarf es durchaus. Auch einer Ermutigung bedarf es, vom Grundrecht aus, wie es der Artikel 6 unserer Verfassung regelt, die Frage nach der persönlichen Freiheit und der staatlichen Fürsorge für Ehe und Familie zu stellen. Und ermutigend ist durchaus, was Heiner Koch zu verkünden weiß. Nicht nur, dass 90% der Jugendlichen ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben, dass die Kirche und andere Institutionen Familien mit vielen praktischen Hilfsangeboten und Beratungen zur Seite stehen, sondern auch dass die Bibel uns verheißt, in Einheit von „Schöpfungswirklichkeit und Gnadenwirklichkeit“ zu leben. Das heißt, dass als Mann und Frau erschaffene Menschen diese Geschlechterdifferenz, die „zur Sakramentalität berufen“ ist, als göttlichen Gnade erleben dürfen. Eine Gnade, deren Früchte die der christlichen Familie geborenen Kinder sind.

Koch geht nüchtern und verständnisvoll mit all den Problemen, die sich den Familien und der Ehe stellen, um. Die Fragen der inter-konfessionellen Ehe, der Sexualität in vielerlei Gestalt, der Unauflöslichkeit der Ehe, der Herausforderung durch konkurrierende Lebensmodelle und anderes mehr kommen zur Sprache.
Der Preis des Büchleins und der verständliche Ton eröffnen jedem den Zugang zu diesen Fragen.

Die Haltung des Autors ist keine des Extrems, entfernt sich nicht vom Kanon katholischer Lehre, öffnet aber mit Bezügen auf gegenwärtige Probleme viele Türen, die unter Papst Franziskus einladen sollen, einzutreten in den Glauben und einander zu begegnen.

Dass Heiner Koch Schutz des Lebens über die vorgeburtliche Existenz bis hin zur Existenz an den Rändern unserer Gesellschaft und Kirchen und darüber hinaus spannt, empfiehlt sein Buch einer an ethischen Fragen interessierten Lektüre.

„Wir setzen keine Grenzen, wir errichten keine Mauern des Lebens, nicht an den Grenzen Europas, nicht an den Grenzen der Kulturen und Religionen, nicht an den Grenzen des Alters, der Krankheit, des Behindert-Seins oder des sterbenden Lebens. Wir lassen leben.“

Helmut Krebs, Oktober 2017

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Gilbert Keith Chesterton

Foto:Verlag

Pater Brown und das Paradies der Diebe
und andere himmlische Kriminalfälle

St. Benno Verlag 2017
169 Seiten, Hardcover 14,95 €
isbn 9783746249377
Ja, hier ist er wieder. Der von Keith Gilbert Chesterton geschaffene Geistliche mit der Spürnase fürs Kriminelle.
Sein Autor stellte als Präsident des englischen Detection Club 1936 Regeln für einen „fairen Kriminalroman“ auf. Schon damals galt der Kampf gegen Schund und ekelerregenden Thrill zugunsten von Suspense und ein liebenswertem siebten Sinn beim Lösen kniffliger Fälle.
Also mehr Diebe als Mörder, mehr Colorit als Schwarzweiß und mehr innere Logik und Psychologie als äußere Gewalt und Psychopathen.

Die zehn im Band versammelten Geschichten um den „Father Brown“, wie er im Original heißt, sind lebendige Zeugnisse der klassischen Krimiliteratur und auch heute noch lesenswert. Ohne antiquierte Sprache, mit abwechslungsreichen Dialogen und knappen , aber treffenden Personenschilderungen versteht Chesterton auch heutige Leser zu packen. Vielleicht ist sogar vielen Krimilesern die Begegnung mit Chesterton eine Entdeckung eines ganzen Kontinents von klassischen Krimierzählungen, der heutzutage von der Mode unserer oft skandinavischen Gruselmorde überlagert ist.

Der Verlag greift bei der Ausgabe auf bewährte deutsche Übersetzungen zurück, nennt aber leider nicht die Übersetzer. Eine originalgetreuere Übersetzung der Kriminalgeschichten Chestertons hat Hanswilhelm Haefs für den Haffmans Verlag unternommen.

Im Nachwort der vorliegenden Ausgabe wird Chesterton als der große christliche Autor vorgestellt, der von Papst Pius XI. zum Fideo defensor (Verteidiger des Glaubens) ernannt wurde.  Dass auch ein Pfarrer, der einhergehend mit dem Seelsorgeamt als Detektiv Spürsinn und Gottesfurcht beweist, den Glauben zu verteidigen versteht, drückt der Autor auf liebenswürdige und schmunzelnde Weise aus. Die Spannung, die sich ganz auf die Aufklärung, weniger auf den Hergang der Verbrechen spitzt, bleibt hoch.

Allen Krimifreunden, die Chesterton nicht kennen, wärmstens empfohlen. Und jenen, die Pater Brown nur aus Film und Fernsehen kennen, ist das Buch ein bereicherndes Wiedersehen. Übrigens auch als Geschenk geeignet.

Helmut Krebs, Oktober 2017

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Angela Merkel
(Hg. Volker Resing)

 Daran glaube ich. Christliche Standpunkte

Foto: Verlag

St. Benno Verlag 2017
192 Seiten, Hardcover7,95 €
isbn 9783746249636
2013 Jahren legte der Journalist und Redakteur der katholischen Nachrichtenagentur KNA Volker Resing sein Buch „Angela Merkel – Die Protestantin“ vor.
Jetzt ist eine erweiterte und mit dem treffenderen Untertitel „christliche Standpunkte“ versehene Ausgabe erschienen, die gerade nach der Bundestagswahl 2017 Beachtung verdient.Das Protestantische an der Kanzlerin steht in Verbindung ihrer oft klugen und am Staatswohl orientierten Überlegungen. Im Vordergrund stehen jedoch Überzeugungssätze, die einem aufgeklärten Christentum, das in Verantwortung vor dem Schöpfer sich in die weltliche Macht gestellt sieht. So etwa Merkels Bekenntnis zur Religionsfreiheit und der Gewissensfreiheit bei ethischen Fragen wie dem Schwangerschaftsabbruch und der PET-Diagnostik.

Dass dem Buch Interviews zugrunde liegen, spürt der Leser am Redeton, den die Texte tragen. Mit Interesse wird er hier die Ausführungen zur Flüchtlingskrise lesen aber auch zum katholischen Profil im Alltag, das nach der Wiedervereinigung Deutschlands von vielen infrage gestellt wurde.

Der Band schließt mit persönlichen Einlassungen der Kanzlerin, die von Integrität, aber auch dem distanziert nüchternen Blick und der stets selbstbeherrschten Führungsfigur zeugen.
„Unsere Füße sind auf weiten Raum gestellt, aber dieser Raum kennt Grenzen.“ (S. 178)

Zu empfehlen für alle, die eingehender über Merkels Haltung sich orientieren wollen.

Helmut Krebs, Oktober 2017

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Reinhard Körner

Gott. 95 Thesen

  Körner, 95 Thesen(Bild)

St. Benno Verlag
2017, o.p., Hardcover 7,95 €
isbn 9783746248752
Bücher des Karmeliter-Paters Reinhard Körner verdienen immer Aufmerksamkeit.
Seine 95 Thesen, angelehnt an die Luthersche Glaubensherausforderung vor 500 Jahren, sind auch eine Herausforderung an alle, die ein sich mit Fragen zu Gott, Glaube und Kirche beschäftigen.
Systematisch baut Körner in seinen kurzen Thesen die Weltsicht und das Gottesbild der Kirche auf. Die Wirklichkeit und unser Staunen über sie führen zur Frage nach SINN und dem Urgund allen Seins (11. These). Der jüdische Schöpfergott (These 16), der uns Glaube als höchsten Akt der Erkenntnis ermöglchicht, wird letztlich begriffen im Sinne negativer Theologie: Einen Gott, den ‚es gibt‘, gibt es nicht (These 22). Von diesem ‚dieu caché‘, wie Pascal sagt, gehen die weiteren Überlegungen und Anstöße des Autors aus.
So werden wir ermahnt, Gott nicht mit Religionsgemeinschaft zu verwechseln (These 38) und der Zusammenfall von Gegenwart und Geschichte, Schöpfungsakt und ihre Ausbreitung führen hin zur Personhaftigkeit Gottes: Weil unsere Vorstellung ‚Gott‘ „vom Höchsten ausgehen muss, das die geschöpfliche Daseinswelt kennt“ – die PERSON (These 49).

In dieser Weise leitet uns Reinhard Körner subtil und überzeugend zu JESUS CHRISTUS und auf die Heillehre der Kirche. Dass die Thesen offen sind, sich als Einladung und auch Beförderung der Ökumene verstehen, gestattet auch Gläubigen anderer christilichen Konfessionen mit den 95 Thesen übereinzustimmen. Wie ja auch Katholiken heutzutage weitgehend mit den Lutherschen Thesen von 1517 übereinstimmen.
Dem Chor des Glaubens, der aktuellen Besinnung auf die Kernsätze und -erfahrungen des Christentums dient somit das Büchlein in guter Weise.
Körner schriebt in einfachen Sätzen und ohne theologischen Schwulst. Dies macht seine Thesen für alle eingänglich. Eine Empfehlung für alle Haushalte und Büchereien.
h.krebs, märz 2017

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multhaupt-esfreutsich

 

 

Hermann Multhaupt

Es freut sich der Engel Schar.
24 Weihnachtsgeschichten um Martin Luther

St. Benno Verlag 2016, 128 Seiten, 12,5 x 19,5 cm, gebunden 9,95 € _________ISBN 9783746247694
BESTELLUNG bitte über die St. Antonius Bücherei: buecherei-alstaden@gmx.de
Zum diesjährigen Weihnachtsfest legt der St. Benno Verlag eine besondere Gabe in unsere Hände. Der bewährte Erzähler Hermann Multhaupt berichtet aus dem Hauskreis der Familie Luther und stellt aus Luther-Legenden, Anekdoten und vielen historischen Kleindetails 24 Geschichten zusammen, die den Leser jeglicher Konfession zu Herzen gehen mögen.
Multhaupt zieht mit gekonnter Hand, in der einfach gefassten Erzählweise, die mit knappen Dialogen den zeithistorischen Horizont verlebendigt, den Vorhang auf vor der Reformationszeit, lässt bedeutende Persönlichkeiten wie Lucas Cranach oder Philipp Melanchthon auftreten, kehrt in den Kurzgeschichten aber immer wieder in das häusliche Glück, den Alltag der Weihnachtsvorbereitungen und der Sangesfreude der Lutherfamilie zurück. Luther selbst, ein
passionierter Lautenspieler und tüchtiger Sänger wird ganz der evangelisch geprägten Tradition um diesen Heros als Hausvater, geistiger Ratgeber, freigiebiger Gastgeber und treusorgender Ehemann portraitiert.
Dazu passen die hübsch ausgewählten Illustrationen, vornehmlich aus dem 19. Jahrhundert, die das traute Heim, die Bedeutung der Familie und ihre Versammlung um den (zu Luthers Zeit noch ganz ungebräuchlichen) Weihnachtsbaum zeigen.
Multhaupt greift in einer Geschichte gar über die Lebenszeit Luthers hinaus auf das Jahr 1565 und führt uns dessen Enkelsohn Volmer als jungen Tierfreund vor.
Wiederholt erfahren wir aus der lebendigen Schilderung nicht nur Sitten, Gebräuche und Personal des Lutherhauses, sondern auch die Grundstimmung aus Sparsamkeit, Großherzigkeit und dem Trubel, die ein mit eigenen und fünf aufgenommenen Waisenkindern angefülltes Hauswesen annimmt.
Abwechslungsreich nicht nur durch das wechselnd auftretende Personal um die meist in den Hintergrund gestellte Hausvaterfigur wird Multhaupt auch, wenn er etwa in der Person des jüngsten Sohnes Paul die Auseinandersetzung um ein Krippenspiel mit dem Dialog zwischen Ochs und Esel schildert.

Der feine Humor, das schlichte Gemüt, in allem so viel Menschenfreundlichkeit und Häuslichkeit – diese Dinge bestimmen den Tonfall der kurzen Erzählungen.
Dass es nun 24 geworden sind, analog zu Luthers Zusammenstellung von 24 Liedern für die Wittenberger Gemeinde, ist eine gute Anlehnung an unsere Adventszeit mit ihren 24 Tagen. Der Verlag hat durch Vignetten, Illustrationen und einer dezenten Schmuckfarbe für den Druck ein
ansprechendes und dabei preiswertes Büchlein geschaffen. Leider sind die Illustratoren (mit einer Ausnahme) nicht genannt, weiß doch nicht jeder Leser die Bilder etwa einem Cranach oder Gustav König zuzuordnen.

Dass Multhaupt hier ein Legendenbild malt, dabei Züge Luthers, wie der heute offenbare Antisemitismus, nicht Platz finden (können), darf man dem Buch nicht vorhalten. Es will in historisch stimmiger Gewandung ein moralisches Bild vom christlichen Hauswesen geben, das zur Advents- und Weihnachstszeit im Mittelpunkt unseres Lebens steht. Der Leser mag an den historisch herausgearbeiteten Details der Geschichten Multhaupts Vergnügen finden und daraus auch vieles über die Lutherzeit und den Hausstand lernen, im Vordergrund steht ein Tableau vivant eines Familienlebens, das nicht in Konsum und Karriere erstickt ist. Darin kann uns auch Luther bestärken und wir sind dankbar dem Autor, der die historisch-kritischen Beiträge ergänzt um ein erzählerisch so anspruchslos wie wohltuend daherkommendes Werk der Innigkeit.

Wir empfehlen das Buch mit warmem Herzen auch, weil es in unserer Zeit an Beschaulichkeit fehlt und es bemerkenswert ist, wenn ein Verlag katholischer Prägung eine Huldigung an die evangelisch-lutherische Tradition der Lutherfigur herausbringt, welche heutzutage gerade in vielen evangelischen Kreisen eher distanziert gesehen wird.

Helmut Krebs, Nov. 2016

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mokry-luther

 

 

Stephan Mokry

Luther – Was Katholiken schon immer wissen wollten.
95 Fragen und Antworten

St. Benno Verlag 2016, 144 Seiten, 10,5 x 15,5 cm, gebunden 7,95 €______________ISBN 9783746246963
BESTELLUNG bitte über die St. Antonius Bücherei: buecherei-alstaden@gmx.de

Die Katholische Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt und Akademie des Bistums Magdeburg initiierten ein Projekt „2017: Neu hinsehen! Ein katholischer Blick auf Luther“. In der Lutherdekade, erst recht zum großen Lutherjahr 2017 ist das Interesse an dem Kirchenreformator und Theologen auch von katholischer Seite sicher groß. Im vom Magdeburger Bischof Gerhard Feige ausgegebene Dreischritt ökumenischen Dialogs – Versachlichen, Versöhnen, Verständigen – leistet das vorliegende Buch seinen Dienst zum ersten,
somit auch entscheidenden Schritt.95 kurze Kapitel, in Anlehnung an Luthers 95 Thesen zum Ablass, gehen auf die Person, die Zeitumstände, die Kirchenspaltung, Gegenreformation und Ökumene ein. Sehr lobenswert dabei die letzten Kapitel mit je 5 bzw. 10 Artikeln zum katholischen Lutherbild (und seinen Wandlungen) und dem „Must-Know“, einer Essenz von Wissenswertem zum Thema für die katholische Welt. Witzig ist dabei, dass das Wissen über Luther für einen Universitätsprofessor (Kap.89) in 36 Zeilen des kleinen Büchleins Platz findet.

Es ist keine „neutrale“ im geschichtswissenschaftlichen Sinn geschriebene Darstellung von Person, Lehre und Wirkung Luthers, sondern ein auf katholischer Basis ruhendes für Katholiken erarbeite Einführung. Dies ist etwa daran kenntlich, dass Luthers Auffassung von der Heiligen Schrift als Primat, fußend auf einen durch Erasmus erstmals historisch erarbeiteten altgriechischen Originaltext, verdeutlicht wird mit dem Hinweis auf die von Luther dann zweitrangig bewertete „spätere lehramtliche Überlieferung im Raum der Kirche seit Ostern“ (S. 26). Auch eine so überspitzt und ans Polemische grenzende Formulierung für eines der 95 Kapitel – „War die Kirche zu Luthers Zeit ein einziger Sündenpfuhl?“ macht deutlich, dass es dem Autor hier auch um
eine gewisse „Rettung“ der katholischen Kirche geht, um eine Versachlichung durch historische Betrachtung und abwägende Haltung.
Durchaus richtig ist daher auch Hinweise auf die Zeitstimmung des beginnenden 16. Jahrhunderts mit dem Streben der deutschen Landesherren nach Unabhängigkeit: „Die Stimmung war um 1517 durch tatsächliche Missstände genauso wie durch die entstehende Medienlandschaft der Frühen Neuzeit aufgeheizt“. Wer würde da nicht an Medienstimmungen unserer Tage denken, die oft in ähnlicher Weise Missstände aufgriefen, um eine grundsätzliche und Misstrauen säende Ablehnungshaltung zu fördern.

Die 95 Kapitel versuchen neben wichtigen Informationen zum Historischen eine Aktualität und praktische Urteilsfindung, letztlich gar Handlungsleitung zu geben. Nicht nur in den Ökumene-Artikeln, auch in der Darstellung von Luthers kirchenpolitischen und theologischen Positionen ist der Leser aufgerufen, sein eigenes Urteil zu fällen und mit Lutheranern Gespräch, Gemeinsames und lebendige Form des Christseins zu finden.
Freilich stände einem Buch mit dem Anspruch, das „Must-Know“, das Wissenswerte zu Luther und Luthertum zu vermitteln, etwa eine Erwähnung des 30jährigen Krieges (zum Kapitel Gegenreformation) oder der Stellung der Lutheraner zum Staat, insbesondere in unseliger Nazi-Zeit gut an. Alles Wissenswerte zum Thema jedoch, wird ein Büchlein auf 144 Seiten nicht darlegen können. Daher ist es als Aufruf zur weiteren Lektüre, vor allem aber zu weiterem Gespräch über Luther und die Folgen auf beiden Seiten zu verstehen.

Sowenig Luther eine Rehabilitation auf katholischer Seite nötig hat, so sehr braucht es doch Bücher wie dieses, die Zukunft der christlichen Kirchen in dem vom Papst Franziskus jüngst aufgegriffenen Begriff von der Einheit in versöhnter Verschiedenheit lebendig zu gestalten.

Das Buch ist mit Sicherheit nicht nur für katholische Leser ein Gewinn. Es sind gewiss auch nur wenige evangelische Christen, die „ihren“ Luther in allen hier aufgezeigten Facetten kennen.
Helmut Krebs, Nov. 2016

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